Kirchspiel Aulowönen (Aulenbach Ostp.)

 

Geschichte

 

Der Raum des Kirchspiels Aulowönen ist erst verhältnismäßig spät zu der ertragreichen Landschaft geworden, als die man sie kennt. Er ist ein Teil des ehemals unheimlichen Graudenwaldes, der von der Nehne bis zur Memel reichte und in der Ordenszeit nur im Süden entlang Pregel und Inster oder im Norden über Laukischken nach Linkuhnen über arge Sandstellen und viele Flussläufe umgangen wurde.

 

In noch früheren Zeiten, Jahrtausende zuvor, war dem nicht so, das beweisen die Vorzeitfunde. Wohlgeschliffene Beile aus Feuerstein und harten Felsstücken, Granit und Syenit aus Aulowönen selbst ebenso wie aus der Umgebung zeugen davon.

 

Unter der Schwelle manches Bauernhauses hatte man noch in neuerer Zeit ein auf der Flur aufgelesenes Steinbeil niedergelegt in dem Glauben, Perkunos möge die Blitze abwenden. Eines der Aulowöner Fundstücke war nicht durchbohrt, hatte aber auf einer Seite eine muldenförmige Vertiefung, die in späterer Zeit zum Abschleifen oder Glätten anderer Steinwerkzeuge benutzt wurde. Ein anderes, mehr einem Hammer ähnlich, zeigt auf der oberen Bahn eine gratartige Erhöhung, die herzustellen sicher großes Geschick erforderte. Dieses Gerät stammt aus der Bronzezeit, d.h. etwa 1000 v. Chr. Wer nicht die Mittel hatte, die kostbaren, blitzenden Bronzewaffen zu erwerben, der schliff dos Steinbeil so, dass die Gussnähte nachgeahmt wurden. Aus der Nachbarschaft stammen nicht nur ähnliche Stücke, sondern auch bronzene Hohl- und Tüllenbeile selbst, die man im Heimatmuseum bewundern konnte. Sonst aber wurde der Raum um Aulowönen lange für fundleer gehalten; doch liefen zuletzt nach gründlicher Aufklärung reichliche Meldungen ein. Diese Einzelfunde und Siedlungsstellen kündeten von bäuerlicher Bevölkerung in den Jahrhunderten nach Chr. Geb., der sogenannten römischen Kaiserzeit, weil Römermünzen außer goldüberfangenen Glasperlen und bronzenen Schmuckteilen auch ein Stück eines Halsringes beim Pflügen zu Tage gelangt waren.

             

Leider sind nur ein Gräberfeld, etwas entfernt bei Berschkallen, auch schon recht zerstört, und ein Burgwall im Norden bei Jägerkrug an der Grenze zum Kreis Niederung bekannt geworden. Andere Stellen mögen übersehen oder bei Sandabfuhr und Steinwerbung vernichtet worden sein. Diese Gegenstände gehören alle in die erste Hälfte des ersten Jahrtausends; danach herrscht wirklich, Fundleere.

 

Die im Walde gelegenen Wohnplätze sind verlassen worden, da durch feuchter werdendes Klima der Wald sumpfiger wurde und zur Viehweide nicht mehr taugte. Nur die Talränder der größeren Flüsse blieben trocken genug zur Anlage von Dörfern. Immerhin bearbeiteten Beutner ihre Bienenbäume, streiften Jäger noch Pelzwild, gewannen Köhler und Pechbrenner ihre begehrte Ware.       

 

Das änderte sich jahrhundertelang nicht. Auch als im 13. Jahrhundert die Ordensritter ins Land kamen, reichte die Zahl der deutschen Bauern nicht aus, den Graudenwald zu roden. Erst im Jahre 1352 übernahm der '''Bischof von Samland''' den Raum von Georgenburg und Saalau mit dem dazugehörigen Hinterland. Am 17. Mai 1353 gab dann der Bischof das westliche Drittel seinem Domkapitel zur Nutzung ab. Die Westgrenze fällt heute noch mit der Grenze des Kreises Insterburg zusammen: vom Pregel bei Auer nach Nordosten bis zur sogenannten Marschschallsgrenze, die etwa an der Ossa nördlich Kallwischken (Hengstenberg) zu suchen ist. Die Ostgrenze verlief von der Mündung der Droje über Warkau bis jenseits der Ossa hinter Neu Lappönen und Rudlauken (Ossaquell). Aus dem nördlichen Teil dieses Streifens ist das Kirchspiel Aulowönen entstanden.

 

Aber es hatte noch eine gute Weile, bis da eine Kirche entstand. Noch lange wurde hier lediglich das 'Waldwerk' betrieben. Es waren nicht sehr wenige Menschen, die hier ihren Lebensunterhalt erwarben. Ohne dass ein Dorf bestand, gab es da einen Krüger bei Warkau, der Bier aus dem Brauhaus von Georgenburg ausschenkte.     .

 

Erst im 16. Jahrhundert beginnen Bauern, Wald in Acker zu verwandeln. Es sind überwiegend Litauer, die der Reformation und gesicherter Rechtslage wegen, die '''Herzog Albrecht''' bot, ins Land kamen.

 

Obwohl nicht alle Rodungen Bestand hatten und später deutsche Güter auf Übermaaß und wüst gewordenen Hufen ausgegeben wurden, war von Jennen bis über Aulowönen ein ziemlich geschlossener Raum gewonnen, so dass man in Aulowönen im Jahre 1610 eine Kirche gründete. Sie war zuerst ein recht unansehnlicher Holzbau, und der erste '''Pfarrer, Johann Neander''', wirkte unter den bescheidensten Lebensumständen ebenso wie sein Schulmeister Loth Krause. Wohlhabender war schon Egidius Strützel, der 1615 ein Krugrecht und dazu zwei Hufen Land erhielt. Er wurde Dorfschulze und stiftete 1640 zwei große Messingleuchter „aufem Altare“, die noch in der Gegenwart vorhanden waren und den Altar schmückten. Dem Egidius Strützel wurden 1623 weitere fünf Hufen in Wentzkeiten, dicht bei Aulowönen, verschrieben, während dem '''Pfarrer Neander''' zu seinen vier Widdemshufen 1619 drei weitere Hufen vom Übermaaß in Aulowönen selbst verschrieben wurden.

Weitere Verschreibungen zu kulmischem Recht, d. h. freiem Besitz, ergingen:

 

1615    Georg Pfender; 8 Hufen Übermaaß in Budweten (Streudorf);

1616    Christoph Schweichel, 4 Hufen in Bimballen (bei Aulowönen);

1620    dem Kanzleiverwandten Lorenz Werkmann, 10 Hufen bei Jennen, „so wüst lagen“; 

1623    Georg Ackermann,  6 Hufen in Kiaunischken (Stierhof);

1623    Clemens Richau,  9 Hufen in Jukkeln

1624    H. Deyhorn,  18 Hufen in Klein Aulowönen samt Kruggerechtigkeit (Braugerechtigkeit = Genehmigung zum Bierbrauen).

 

Das sind die ersten größeren Besitzungen, die jedoch schnell in andere Hände übergehen. Die Hufen in Jukkeln z.B. gehören später Heinrich Wolf von Kalisch und um 1680 Heinrich von Knobelsdorf, während in Kiaunischken Michel Behmisch und Hans Fuchs, ein Zimmermann aus Ragnit, Ackermanns Nachfolger sind. Dieser letztgenannte Hans Fuchs ist 1680 gleichzeitig der Inhaber des zweiten Kruges in Groß Aulowönen, wie es nun heißt. Dieser Krug war zuerst dem Faustin Klein verschrieben worden, während der Krug zu Klein Aulowönen schuldenhalber zurückgegeben wurde, "es gehet bey dem Krug keine Landt Strassen vorbey“.

 

Das Dorf Aulowönen hält in sich um 1680 fast 19 Hufen, wovon die Hälfte auf Widdem, Krüge und drei Hufen kölmisch entfällt, die andere ist bäuerlich, die scharwerkt bzw. auf höherem Zins teilweise befreit steht. Bald auch erscheinen Handwerker im Dorf, das nach und nach zum Marktflecken wird.

 

[[Bild: Kirchspiel Groß Aulowönhnen (Ostp.) 1846 Karte von F.A. von Witzleben.jpg|thumb|right|500 px| <center> '''Kirchspiel Groß Aulowöhnen (Ostp.)''' im Kreis Insterburg (Karte von 1846) </center>]]

 

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts erfolgt eine neue Rodung durch die sogenannte Schatullsiedlung. Sie wurde von der Forstverwaltung durchgeführt, welche die Zinserträge in die Schatulle des Kurfürsten abführte, ohne dass die Rentkammer in Königsberg oder die Landstände darauf Einfluss hatten. Reichlich stellten sich dafür die Bewerber ein, die als Schatullkölmer oder Schatullbauern scharwerksfrei blieben und außer ihrem Grundzins nur gelegentlich zum Forstdienst verpflichtet waren. Bewährte sich der Annehmer, so erhielt er nach einigen Jahren seine „Berahmung“. Fast alle Dörfer westlich und nördlich von Aulowönen sind auf diese Weise vor und um 1700 entstanden.

 

Und doch legte sich bald ein hohes Schicksal über das ganze Kirchspiel! Es wurde von der Pest 1709/10 besonders schwer betroffen und verödete fast gänzlich. Selbst der Pfarrer Christoph Voigt und die meisten der bessergestellten Kölmer starben. Die junge litauische Siedlungskraft verlor sich.

 

Nach anfänglichen, unzulänglichen Versuchen, die wüst gewordenen Dörfer mit Landeskindern und Zuwanderern neu zu besetzen, kam für das Kirchspiel erst 1732 mit der Einwanderung der Salzburger der Erfolg. Seitdem herrschen die Namen der Salzburger vor. In einer Liste der 1799 bezahlten Gelder für die Bänke in der Kirche machen sie die Hälfte aller deutschen Namen aus.

 

[[Bild: Kirchspiel Aulenbach (Ostp) Entfernungskarte 1907.pdf|thumb|right|500 px| <center> '''Kirchspiel Groß Aulowöhnen (Ostp.)''' im Kreis Insterburg (Entfernungskarte von 1907) </center>]]

 

Manche sind unruhig, verkaufen und wandern umher, andere bleiben bis zur Gegenwart im Mannesstamm sesshaft. Im Kirchdorf Aulowönen selbst überwiegen um 1800 unter den 18 Wirten die Handwerker, während z.B. in Skardupönen alle elf Bauern Salzburger sind.

 

Die Kirche war 1709 abgebrannt, ein hölzerner Notbau hielt nur bis 1727. Seit 1730 diente der Gemeinde der dauerhafte steinerne Bau, den noch die letzte Einwohner Aulenbachs kannten. Im Jahre 1737 wurden zwei Glocken erworben, aber erst 1859 eine Orgel eingebaut, die man 1932 auf 20 Register und elektrischem Antrieb vergrößerte.

 

Die Salzburger drängen auch auf geregelten Schulbetrieb. Von neun geplanten Schulbezirken waren 1757 sieben eingerichtet:

 

Aulowönen:                Präzentor Stein und Lehrer Regge,

Ackmenischken:        Lehrer Forstreuter''' (Vater und danach Sohn),

Gerlauken:                 Lehrer Leidereiter,

Laukogallen:              Lehrer Pleil,

Lepkehmen:               Lehrer Hägermann,

Swainen:                    Lehrer Eichwald,

Wasserlauken:           Lehrer Leidereiter,

 

Einen weiteren neuen Zug in das Wirtschaftsgefüge brachte im Verlauf der Domänenneuordnung Friedrich Wilhelms I. das Domänenamt Lappönen, welches den Norden des ehemaligen Kammeramtes Saalau, also den Bereich des Kirchspiels Aulowönen, umfasste. Der erste Amtmann um 1730 hieß Chr. Theod. Prätorius. Späler war Gettkand lange Zeit Amtmann über das mehr als 40 Dörfer zählende Amt. Dieser Zustand währte fast drei Generationen, bis Anfang des 19. Jahrhunderts die Domanenämter aufgelöst und eine ganze Reihe der "Vorwerke", wie die Hauptgüter hießen, verkauft wurden. Das rund 2000 Morgen große Vorwerk AIt-Lappönen erwarb Caroline Girod, die mit dem''' Amtmann Mehlhorn''' verheiratet war, zu einem Preis von 19.152 Thalern.

 

Dann gab es wieder neue Wirtschaftsformen durch die Separation und den freien Güterverkehr. Notzeiten wie 1867, um 1890 und die Ende der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts wurden tatkräftig überwunden durch gewissenhafte Bodenpflege, besseres Gerät und wissenschaftliche Belehrung.

 

Es müßte besonders betrachtet werden, was auf dem Raum des ehemaligen Domänenamtes Lappönen, welches bei der Auflösung mit 87.392 Thalern bewertet war, im Laufe der letzten 100 Jahre vor der Vertreibung durch den Fleiß der Bewohner und der freien Wirtschaft an Werten neu geschaffen wurde.

 

Mitten darin, marktfern zur Kreisstadt Insterburg, entwickelte sich in Aulowönen ein eigenes kleines Wirtschaftszentrum, wozu mit der Kirchgründung 300 Jahre zuvor der bescheidene Anfang gemacht worden war. Der unwirtliche Graudenwald war gänzlich verschwunden.

 

Gründliche Studien über Kirche und Schulen im Kirchspiel Aulowönen hat in den 1930iger Jahren der Lehrer Friedrich Gabriel aus alten Akten gemacht, diese Arbeiten wurden in der Zeitung Nadrauen veröffentlicht. (aus verschiedenen Veröffentlichungen von Dr. W. Grunert) [1]

 

Das Kirchspiel Aulowönen (1938–45: Aulenbach (Ostpreußen| Ostpr.) wurde um 1610 begründet. Die Orte Juckeln, Warkau, Gaiden, Alt Lappönen und Jennen bildeten den Kern der Siedlung, die zur Gründung des Kirchspiels führten, sie gehörten zum Georgenburger Kammeramt, das 1525 entstand aus dem Gebiet, das dem Bischof vom Samland gehörte. 1376 verlieh Hochmeister Winnrich von Knipprode an Albrecht König 14 Hufen zu Auluwönen. 1379 erscheint Klein Popelken, Groß Warkau wird 1525 als nördlichster Ort im Kammergut Georgenburg genannt. Später, zu herzoglicher Zeit, ist in diesem Raum verhältniswenig neu gesiedelt worden, auch hatten die neugeschaffenen Anwesen wenig Bestand.

 

Zwischen 1600 und 1630 wurden daher viele dieser Höfe und Ortschaften mit ihren Ländereien erneut verliehen. Als im Jahre 1651 der große Kurfürst die wegweisemde Instruktion zur Schaffung der Chatoulsiedlungen erließ, wurde gerade im Kirchspiel Aulowönen diese Siedlungsform erfolgreich vorangetrieben und die riesigen Waldungen des Grauden in Ackerflächen, Wiesen und Weiden verwandelt. Über zwanzig neue Güter und Ortschaften wurden hier in den Jahren von 1660 bis 1690 als Chatoulcölmische Güter oder Chatouldörfer angelegt.

 

Die verheerenden Pestjahre 1709/10 entvölkerten die Dörfer und Güter erheblich, mitunter vollständig, wie es von Ackmenischken (Steinacker) überliefert ist. Unter den nun einströmenden deutschen Neusiedlern bilden hier Salzburger Exulaten oft eigene Coloniedörfer, so Klein Aulowönen, Ernstwalde, Kallwischken (Ostp.), Skardupönen, Schruben und Warglauken.

 

Bis zum Jahre 1815 gehörten fast alle Güter und Ortschaften des Kirchspiel zum Königsberger Departement, Landrätlicher Kreis Tapiau, Ämter Lappönen und Saalau, sie wurden dann durch Edikt vom 30.04.1815 zum Regierungsbezirk Gumbinnen geschlagen [2].

 


[1] Dr. W. Grunert - "Nadrauer Grabung" (aus: Zeitschrift der Alterstumges. Insterburg Heft 21/1937 und Heft 22/1939); "Geschichte der Besiedlung des Kreises Insterburg" (aus: Die Heimat - Zeitschrift für niederrheinische Heimatpflege, Krefeld 29. Jahrgang 1956 - Heft 1-4 sowie  "Aulowönen - Aulenbach" (aus : Insterburger Brief 14. Jahrgang (1962) S. 171-173

[2] Kurt Henning und Frau Charlotte geb. Zilius, Der Landkreis Insterburg, Ostpreußen - Ein Namenslexikon, ca. 1970

 

 

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